Der Fall 6ix9ine: Verändert eine „Snitch“ die ganze Rap-Szene?

Nachdem der US-Rapper „Tekashi 6ix9ine“ kürzlich aufgrund der Corona-Krise in den Hausarrest entlassen wurde, spaltet er die Szene wie kein anderer jemals zuvor. Der Zwist betrifft längst nicht mehr nur die US-amerikanische Hop-Hop-Kultur. Um das zu verstehen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Geschichte von Daniel Hernandez, wie 6ix9ine mit bürgerlichem Namen heißt.

Seine Geschichte beginnt im Jahr 1996 in Brooklyn, wo Daniel Hernandez als Sohn einer mexikanischen Mutter und einem puertoricanischen Vater geboren wird. Seinen Vater lernt er nie kennen. Er wächst er bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf. Als er gerade 13 ist wird sein Stiefvater ermordet und die finanzielle Säule der Familie bricht weg. Also beginnt er zu arbeiten und nebenher Drogen zu verkaufen, um seine Mutter zu unterstützen.

2014 tritt 6ix9ine 2014 zum ersten Mal als Rapper in Erscheinung. Aufgrund seines Aussehens, mit Grillz, Regenbogenhaaren und vielen Tattoos – unter anderem im Gesicht – avanciert er schnell zum Internet-Meme. Auf seinen Durchbruch muss er jedoch noch bis ins Jahr 2017 warten. Mit seiner Single GOOBA geht er sogar direkt Platin und legt Hit um Hit nach – mit prominenten Features wie zum Beispiel Nicki Minaj und Fetty Wap. Umstritten ist in der Szene bereits: Ohne afroamerikanischen Background sagt und rappt er sehr oft das „N-Wort“.

Jedoch kommt er in der Szene ohne großen Aufschrei davon. Das liegt wahrscheinlich daran, dass in seinen Musikvideos und Instagram-Posts immer Mitglieder der „Nine Trey-Gang“ zu sehen sind, mit denen er sich auch privat umgibt. Dabei handelt es sich um einen Ableger der Bloods – eine der größten Banden in den Staaten. Diese Affiliation, gepaart mit diversen Verfahren wegen Waffenbesitz und häuslicher Gewalt, bringen ihm ein authentisches Image als „Gangsta-Rapper“ und ein gewisses Standing in der Szene ein.

Wegen Bandenkriminalität sitzt er wiederholt auf der Anklagebank. Plötzlich steht jedoch eine Gefängnisstrafe von 47 Jahren im Raum. Dieses Strafmaß will Daniel Hernandez jedoch um jeden Preis vermeiden und packt vor Gericht alles über seine Gang aus. Damit kann er seine Strafe deutlich reduzieren: Er wird nur für 2 Jahre eingesperrt. Nach 20 Monaten kommt er aufgrund der Corona-Pandemie bereits aus dem Knast und muss nun seine restliche Strafe als Hausarrest absitzen.

Mit seinem Geständnis vor Gericht bringt Tekashi 6ix9ine jedoch seine Gang wie auch fast die ganze restliche Hip-Hop-Szene gegen sich auf. Verräter, sogenannte “Snitches”, werden in der Szene aufs schärfste verurteilt. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort “Snitches get stitches”. Unter Zeugenschutz stehend muss 6ix9ine schon mehrfach umziehen. Nachbarn oder er selbst verraten immer wieder seinen Aufenthaltsort. Sein auffälliges Aussehen trägt auch nicht gerade dazu bei, dass sich diese Problematik in Zukunft einfacher gestalten könnte.

Andere Rapper wie Snoop Dogg, Future oder Meek Mill zählen zu den größten und lautesten Kritikern des Paradiesvogels. Sie fordern ihn dazu, auf die „Ratte“ zu boykottieren und seine Musik nicht mehr zu hören. Am liebsten würden sie ihn aus der Szene verbannen. Die meisten finden sowieso, dass 6ix9ine als „Snitch“ der Szene nicht mehr angehört. Doch das könnte sich in Zukunft vielleicht wieder ändern. Denn trotz der ganzen Kritik scheinen Hype und Erfolg ungebrochen und größer denn je.

Seit seiner Haftentlassung sorgt Tekashi wöchentlich für Schlagzeilen. Und das nicht nur wegen seiner Fehlverhalten, sondern auch wegen neuen Rekorden. Seinen ersten Livestream nach der Entlassung auf der Plattform Instagram verfolgen zeitweise Zwei Millionen Zuschauer gleichzeitig – weit vor seinem vorherigen Rekord, bei dem es um die 500.000 waren. Seine erste Single sprang auf Platz 3 der Billboard Top 100 und erreichte innerhalb von 24 Stunden über 40 Millionen Aufrufe auf YouTube. Seine zweite Single „Trollz“ konnte das sogar noch einmal übertrumpfen. Sie sprang ohne im Radio zu laufen auf Platz eins und erreichte nach nur einem Tag 49 Millionen Views. Mit dem Feature von Nicki Minaj hat er nun auch eine prominente Rapperin als Unterstützung auf seiner Seite, die scheinbar kein Problem mit seiner Aussage vor Gericht hatte. Beim ungebrochenen Hype um Tekashi „6ix9ine ist also viel Geld im Spiel. Es würde daher kaum überraschen, wenn andere Rapper seinem Beispiel folgen.

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